Play Faust – aufgeführt vom Kurs Dramatisches Gestalten im Oktober 2010
Wer immer sich am „Faust“ versucht, kann sich eigentlich nur blamieren, denn der Stoff ist für viele fremdartig, äußerst schwierig und umfangreich.
Trotzdem hat der Kurs Dramatisches Gestalten einen Versuch gewagt eine spielbare Fassung aus einem Schulbuchverlag umzusetzen, wobei aus der Not eine Tugend gemacht wird, indem eine Rahmenhandlung entwickelt wurde, in der eine Gruppe junger Leute, die dem Stoff völlig distanziert gegenübersteht, den Text zunächst nur komisch findet und lediglich zu ihrer Unterhaltung einige Szenen spielen will. Dabei geraten die Jugendlichen zunehmend in den Bann des Textes, identifizieren sich mehr und mehr mit ihren Rollen und geraten selbst in private Verstickungen.
Kenner des „Faust“ haben sicher viele berühmte Szenen und Stellen vermisst, denn im Interesse der Verkürzung für das Schultheater wurden einige Szenen weggelassen, andere zusammengefasst und umgestellt. Trotzdem blieben wesentliche Aussagen erhalten und wir hatten den Eindruck, dass die Zuschauer viel Vergnügen an dieser Inszenierung gefunden haben.
Das lag nicht zuletzt an den erfahrenen Schülerinnen, von denen viele schon jahrelang Theater spielten, wie Anna Lindener, die dem Mephisto einen weiblich erotischen Touch verlieh oder Simone Mändel, die nicht nur als Marthe ihre Improvisationskunst zum Besten gab. Auch Irene Herrero und Christina Jessl waren schon öfter dabei und bewältigten überzeugend gleich mehrere Rollen und inspirierten so die neu Hinzugekommenen, wobei Theresa Fabel als Faust in ihre erste große Rolle schnell hineinwuchs, nachdem sie beim „Sommernachtstraum“ (2009) – als Souffleuse – nur einmal als Theseus hatte einspringen dürfen. Nina Fink, Christine Lohse, Sohaila Mahmoodi und Sarah Schmidt konnten ebenfalls in verschiedene Figuren hineinschlüpfen und waren nach kurzer Zeit ein unverzichtbarer Bestandteil der Truppe. Halina Doyen als Gretchen schlug nicht nur in der berühmten Kerkerszene alle in ihren Bann, sondern zog alle Register ihrer Schauspielkunst, so dass man sich gewünscht hätte, sie wäre nicht nur dieses eine Mal aufgetreten.
Doch all dies fand nicht im leeren Raum statt, denn Johanna Königsberger entwickelte zusammen mit Frau Asam ein detailreiches inspiriertes Bühnenbild, das nicht nur den Fauststoff phantasievoll illustrierte, sondern auch zu der Rahmenhandlung passte, wo die Jugendlichen ihre Ränkespiele auszufechten hatten. Darüber hinaus setze Susanne Asam am Mischpult auch noch die musikalischen Akzente und sorgte für die passende Lichtstimmung.
Für mich ganz neu war mein Einsatz in diesem Stück als mitspielende Regisseurin Lexy, was mir nach anfänglichem Zögern zunehmend Vergnügen bereitet hatte, denn so konnte ich einmal öffentlich tun, was sonst nur im Verborgenen geschieht.
Uta Haller
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